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Begriff und Gegenstand

Was Prozessberatung leistet — und was nicht

Workshop zur Prozessaufnahme: Team ordnet Prozessschritte an einer Wand mit Haftnotizen

Der Begriff trägt zwei Bedeutungen, und das führt regelmäßig zu Missverständnissen. In der Organisationsentwicklung steht Prozessberatung seit Edgar Schein für eine Haltung: Beratung liefert keine fertige Lösung, sondern befähigt die Organisation, ihre eigene zu finden — im Unterschied zur Expertenberatung, die ein Ergebnis mitbringt. Im betriebswirtschaftlichen Sprachgebrauch meint Prozessberatung dagegen die Arbeit an den Geschäftsprozessen selbst: aufnehmen, analysieren, modellieren, dokumentieren, verbessern. Wir arbeiten in der zweiten Bedeutung, aber mit der Methodik der ersten — nicht aus Überzeugung, sondern weil eine Umgehung in keiner Auswertung auftaucht.

Sie unterscheidet den gelebten vom dokumentierten Prozess. Zwischen beiden liegen in gewachsenen Organisationen regelmäßig Jahre. Eine Prozessaufnahme, die Handbücher liest, beschreibt einen Ablauf, den es so nicht mehr gibt. Belastbar wird sie erst, wenn Laufzeiten, Wartezeiten und Ausnahmefälle an echten Vorgängen gemessen und die Ausnahmen gezählt werden, statt sie als Sonderfall beiseitezulegen — häufig machen sie ein Drittel des Volumens und zwei Drittel des Aufwands aus.

Sie beginnt an den Schnittstellen, nicht bei den Einzelschritten. In administrativen Abläufen geht die meiste Zeit nicht in der Bearbeitung verloren, sondern in der Übergabe: zwischen Vertrieb und Auftragsabwicklung, zwischen Fachbereich und IT, zwischen Standort und Zentrale. Wer einzelne Schritte beschleunigt, verschiebt den Stau, statt ihn aufzulösen. Deshalb steht der End-to-End-Prozess vor der Optimierung einzelner Tätigkeiten.

Sie klärt Rollen, bevor Werkzeuge eine Rolle spielen. Ein Großteil der Fälle, die als Werkzeugproblem beginnen, endet als Zuständigkeitsfrage. Solange nicht geklärt ist, wer einen Prozess besitzt, wer ihn ändern darf und wer die Dokumentation pflegt, hält keine noch so saubere Prozessmodellierung. Diese Festlegung ist unbequem und der Grund, warum manche Vorhaben erst im zweiten Anlauf tragen.

Was sie nicht leistet. Sie schreibt keinen Sollprozess über die Köpfe der Ausführenden hinweg — ein so entstandener Ablauf wird nicht gelebt, sondern umgangen. Sie ist kein Ersatz für eine Softwareeinführung, wenn der Ablauf am System scheitert, und keine Personalentscheidung: Wo eine Rolle unbesetzt oder eine Zuständigkeit strittig bleibt, kann eine Prozessbeschreibung das nicht auffangen.

Abgrenzung nach zwei Seiten: Geht es um Durchlaufzeiten an der Linie, Rüstzeiten, Anlagenverfügbarkeit und Lean-Methoden in der Produktion, ist unsere Operations- und Prozessoptimierungsberatung der richtige Einstieg. Geht es um Beschaffungs- und Lieferkettenabläufe, führt der Weg zur Supply-Chain-Beratung. Hakt ein Ablauf vor allem, weil die Systemlandschaft nicht trägt, ist die Beratung für digitale Transformation der passende Rahmen. Im internationalen Sprachgebrauch begegnen Ihnen dieselben Leistungen als Business Process Consulting, Process Consulting oder Business Process Improvement Consulting.

Ausgangslagen

Wann externe Unterstützung Prozessarbeit schneller trägt

Ist der Ablauf beschrieben, verantwortet ihn eine Person und wurde im Haus schon einmal erfolgreich ein Prozess umgestellt, genügt die eigene Kapazität. Einige Ausgangslagen sind anders — und der Grund ist meist derselbe: Wer täglich in einem Ablauf arbeitet, sieht ihn nicht mehr als Ablauf, sondern als Selbstverständlichkeit. Eine Aufnahme von außen stellt die Fragen, die intern niemand mehr stellt, weil die Antwort seit Jahren feststeht.

1. Niemand kann den Ablauf vollständig beschreiben

  • Jede Abteilung kennt ihren Teil, den Gesamtdurchlauf kennt niemand.
  • Ohne gemeinsames Bild diskutiert die Runde über Symptome statt über Ursachen.

2. Die Übergabe zwischen zwei Bereichen kostet Tage

  • Die Bearbeitung dauert Minuten, der Vorgang liegt trotzdem eine Woche.
  • Liegezeiten stehen in keinem System — sie werden erst sichtbar, wenn man echte Vorgänge nachverfolgt.

3. Ein Systemwechsel steht an

  • ERP, CRM oder ein Workflow-Werkzeug wird eingeführt — und die Prozesse sind ungeklärt.
  • Wer einen unklaren Ablauf digitalisiert, bezahlt anschließend für Sonderlösungen, die niemand wollte.

4. Die Dokumentation entspricht nicht der Realität

  • Handbücher, Arbeitsanweisungen und Prozesslandkarte sind Jahre alt.
  • Neue Mitarbeitende lernen den Ablauf von Kolleginnen, nicht aus der Dokumentation — mit jeder Weitergabe driftet er.

5. Wachstum oder Zukauf macht Standards nötig

  • Zwei Standorte, zwei Gesellschaften, zwei Arbeitsweisen für denselben Vorgang.
  • Je länger parallel gearbeitet wird, desto teurer wird die Harmonisierung später.

6. Eine Zertifizierung oder Prüfung steht bevor

  • ISO 9001, ein Audit oder eine regulatorische Anforderung verlangt nachweisbare Prozesse.
  • Dokumentation, die nur für das Audit entsteht, wird danach nicht gepflegt — sie muss aus dem Arbeitsalltag fallen.

Erkennen Sie eine dieser Ausgangslagen wieder? Zwanzig Minuten reichen für eine Einordnung: ob eine Prozessaufnahme, ein Sollkonzept oder zuerst die Klärung der Zuständigkeiten der richtige nächste Schritt ist.

Leistungsspektrum

Von der Prozessaufnahme bis zur Governance: das Leistungsspektrum

Die Leistungen sind einzeln oder in Kombination buchbar. In der Regel greifen die ersten drei aufeinander — aufnehmen, ordnen, festlegen — und erst danach lohnen Digitalisierung und Automatisierung. Wer diese Reihenfolge umdreht, bezahlt sie in Sonderlösungen.

Prozessanalyse und Prozessaufnahme

Aufnahme des Ist-Zustands entlang echter Vorgänge: Wer macht was, wann, mit welchem System, und wo entstehen Warte- und Liegezeiten? Wir messen Durchlaufzeit, Bearbeitungszeit und Fehlerquote statt sie zu schätzen, und trennen den Regelfall sauber von den Ausnahmen, die den Aufwand tatsächlich treiben. Ergebnis ist eine belastbare Prozessanalyse, über die alle Beteiligten dasselbe sagen.

Prozesslandkarte und Prozessmodellierung

Eine Prozesslandkarte zeigt auf einer Seite, welche Kern-, Führungs- und Unterstützungsprozesse es überhaupt gibt und wie sie zusammenhängen — die Grundlage für jede Priorisierung. Darunter modellieren wir die relevanten Abläufe in BPMN oder einer schlankeren Notation, je nachdem, wer damit arbeiten soll. Verständlichkeit geht dabei vor Vollständigkeit.

Prozessdokumentation und Prozessgovernance

Dokumentation, die gepflegt wird, weil sie im Alltag nützt: Arbeitsanweisungen in der Sprache der Ausführenden, ein klarer Freigabeweg für Änderungen und benannte Prozessverantwortliche. Dazu gehört die unbequeme Festlegung, wer einen Ablauf ändern darf und wer nicht — ohne sie zerfällt jedes Prozessmanagement innerhalb eines Jahres wieder.

Prozessdigitalisierung und Automatisierung

Workflows aufsetzen, Medienbrüche schließen, automatisieren, wo es sich rechnet. Automatisiert wird erst, was zuvor vereinfacht wurde: Ein Freigabeprozess mit sieben Stufen wird nicht dadurch besser, dass er digital sieben Stufen hat. Wir rechnen jede Automatisierung gegen Einführungs- und Pflegekosten — und benennen ausdrücklich die Fälle, in denen sich der Aufwand nicht lohnt und eine klare Arbeitsanweisung mehr bringt als ein Werkzeug.

Schnittstellen und End-to-End-Prozesse

Der Blick über Abteilungsgrenzen hinweg: vom Auftragseingang bis zur Rechnung, von der Anforderung bis zur Abnahme, vom Eintritt bis zum ersten Arbeitstag. Wir klären, welche Informationen an jeder Übergabe wirklich gebraucht werden, und entfernen die Nachfragen, Rückläufer und Doppelerfassungen, die daraus entstehen, dass sie fehlen.

Befähigung, Rollen und Verantwortlichkeiten

Damit der neue Ablauf ohne uns hält: Rollen schneiden, Verantwortliche benennen, Teams schulen und die Kennzahlen festlegen, an denen der Prozess künftig gesteuert wird. Der Teil, der am häufigsten gestrichen wird, wenn es eng wird — und der darüber entscheidet, ob nach zwölf Monaten noch nach dem neuen Prozess gearbeitet wird.

Welche dieser Leistungen Ihr Vorhaben braucht, hängt davon ab, wie belastbar der Ist-Zustand heute beschrieben ist. Das lässt sich in einem kurzen Gespräch klären.

Zuschnitt

Vier Zuschnitte für Prozessvorhaben

Prozessvorhaben unterscheiden sich weniger im Umfang als in der Frage, wie weit wir mitgehen: bis zum Sollkonzept, bis zur Einführung oder bis in die Zeit danach, in der ein Ablauf still zurückfallen kann. Vier Zuschnitte deckt unser Netzwerk ab; der Wechsel im Verlauf ist der Normalfall, nicht die Ausnahme.

Kurzauftrag

Klar umrissener Kurzauftrag

Eine erfahrene Person für eine eng umrissene Aufgabe: eine Prozessaufnahme in einem Bereich, ein Review eines Sollkonzepts, eine Zweitmeinung vor der Systemauswahl. Zwei bis sechs Wochen, klarer Auftrag, klares Ergebnis.

Umsetzung

Umsetzungsteam mit Ihren Leuten

Zwei bis fünf externe Fachleute arbeiten mit Ihren Mitarbeitenden in einem Team, unter interner fachlicher Führung. Der Zuschnitt für größere Umstellungen: Das Wissen über den neuen Ablauf entsteht dort, wo später danach gearbeitet wird — statt mit dem Projekt das Haus zu verlassen.

Mandat

Prozessverantwortung auf Zeit

Eine Person übernimmt eine Linien- oder Programmrolle für die Dauer des Vorhabens — sinnvoll bei Vakanzen, in Sondersituationen oder wenn Entscheidungen im Prozessumbau schnell und mit Mandat getroffen werden müssen.

Nachlauf

Begleitung über die Einführung hinaus

Nach dem Rollout in größeren Abständen: Kennzahlen nachmessen, Abweichungen besprechen, Dokumentation nachziehen. Wenige Tage im Quartal — sie verhindern das stille Zurückfallen in die alten Abläufe.

Branchenfokus

Prozessberatung nach Branche: was den Ablauf bestimmt

Administrative Abläufe sehen sich auf dem Papier ähnlich und unterscheiden sich in der Praxis erheblich. In der Logistik gibt der Sendungsvorgang den Takt vor, bei IT-Dienstleistern der Ticketprozess mit vereinbarten Reaktionszeiten, im Gesundheitswesen die Dokumentationspflicht am Patientenfall, in der öffentlichen Verwaltung die Bindung an Fristen und Rechtsgrundlagen. Wer den Taktgeber nicht kennt, entwirft einen Sollprozess, der an der ersten Ausnahme bricht.

Wir besetzen deshalb mit Fachleuten, die in der jeweiligen Branche gearbeitet haben und die typischen Nachweispflichten, Systeme und Rollenschnitte kennen — von ITSM-Prozessen nach ITIL über Qualitätsmanagement nach ISO 9001 bis zu Freigabeketten in regulierten Umfeldern. Ausgewählt wird aus 25 Fachbereichen mit über 300 hinterlegten Rollenprofilen. In den folgenden Branchen arbeiten wir regelmäßig — jede Kachel nennt, was dort den Ablauf bestimmt.

Prozessberatung in Logistik und Transport — Hochregallager mit Kommissioniergängen

Logistik & Transport

Prozessberatung für IT- und Technologiedienstleister — automatisierte Fertigung von Elektronik

IT- und Technologiedienstleister

Prozessberatung im Gesundheitswesen — digitale Patientenprozesse in einer Klinik

Gesundheitswesen & Pharma

Prozessberatung für Banken und Versicherungen — zwei Fachleute prüfen Vorgänge am Bildschirm

Banken & Versicherungen

Prozessberatung in der öffentlichen Verwaltung — Bearbeitung und Freigabe eines Antrags

Öffentliche Verwaltung

Prozessberatung für Energie- und Versorgungsunternehmen — Windpark in der Morgendämmerung

Energie & Versorgung

Prozessberatung in Logistik und Transport — Hochregallager mit Kommissioniergängen

Logistik & Transport

Prozessberatung für IT- und Technologiedienstleister — automatisierte Fertigung von Elektronik

IT- und Technologiedienstleister

Prozessberatung im Gesundheitswesen — digitale Patientenprozesse in einer Klinik

Gesundheitswesen & Pharma

Prozessberatung für Banken und Versicherungen — zwei Fachleute prüfen Vorgänge am Bildschirm

Banken & Versicherungen

Prozessberatung in der öffentlichen Verwaltung — Bearbeitung und Freigabe eines Antrags

Öffentliche Verwaltung

Prozessberatung für Energie- und Versorgungsunternehmen — Windpark in der Morgendämmerung

Energie & Versorgung

Vorhabenstypen

Prozessvorhaben und ihre Erfolgsgröße

Einige wiederkehrende Typen decken den Großteil dessen ab, was in Prozessvorhaben tatsächlich beauftragt wird. Zu jedem gehört eine Kennzahl, die vorher vereinbart wird — ohne sie endet die Bewertung eines Prozessprojekts in Meinungen darüber, ob es sich besser anfühlt als vorher.

Systemeinführung oder ERP-Wechsel vorbereiten

Ausgangslage: Ein neues System steht an, und die Frage „wie machen wir das eigentlich heute“ lässt sich nicht beantworten. Wir klären Sollprozesse und Stammdatenlogik vor der Konfiguration, statt beides im Customizing zu entscheiden. Gemessen an der Zahl der Sonderanforderungen, die nach dem Start noch nachgereicht werden, und an der Dauer bis zum stabilen Betrieb.

Prozesslandkarte und Dokumentation aufbauen

Ausgangslage: Wissen hängt an Personen, Einarbeitung dauert Monate, und bei Abwesenheit steht ein Vorgang. Wir bauen die Prozesslandkarte, dokumentieren die Kernprozesse in einer Form, die gepflegt wird, und benennen Verantwortliche. Gemessen an der Einarbeitungsdauer neuer Mitarbeitender und daran, wie viele Prozesse zwölf Monate später noch aktuell sind.

Abläufe über Standorte hinweg standardisieren

Ausgangslage: Nach Wachstum oder Zukauf bearbeiten zwei Einheiten denselben Vorgang unterschiedlich, Kennzahlen sind nicht vergleichbar. Wir arbeiten die fachlich notwendigen Unterschiede heraus, standardisieren den Rest und legen fest, was lokal entschieden werden darf. Gemessen an vergleichbaren Kennzahlen je Standort und am Aufwand für konsolidierte Auswertungen.

Einen Freigabe- oder Antragsprozess automatisieren

Ausgangslage: Ein Vorgang läuft über mehrere Postfächer, der Status ist nur durch Nachfragen zu ermitteln. Wir vereinfachen den Ablauf zuerst, digitalisieren ihn danach und automatisieren nur die Schritte, deren Pflege sich rechnet. Gemessen an Durchlaufzeit, Rückfragequote und dem Anteil der Vorgänge, die ohne manuellen Eingriff durchlaufen.

Besetzung

Von der Prozessaufnahme bis zur Prozessgovernance: häufig besetzte Profile

Ob ein Vorhaben jemanden für die Aufnahme, für die Modellierung oder für die Verankerung im Betrieb braucht, entscheidet der Reifegrad der Dokumentation — und der Bedarf verschiebt sich, sobald der Sollprozess steht. Die folgenden Profile besetzen wir in Prozessvorhaben am häufigsten; sie sind ein Ausschnitt aus einem deutlich breiteren Rollenspektrum. Einsatzdauer, Verantwortungsschnitt und Tagessatzspanne sind auf der jeweiligen Rollenseite hinterlegt.

Aufnehmen, ordnen, verankern: der Ablauf eines Prozessvorhabens

Am Anfang steht die Aufnahme am echten Vorgang, am Ende die Verankerung im Betrieb — der Schritt, der am häufigsten gestrichen wird und über den Bestand des neuen Ablaufs entscheidet. Dauer und Tiefe hängen von Bereichszahl und Dokumentationsstand ab, die Abfolge nicht: Ein Sollprozess ohne belastbare Aufnahme ist eine Vermutung mit Kastendiagramm.

Schritt 1 der Prozessberatung: Aufnahme der bestehenden Geschäftsprozesse

1. Prozessaufnahme

Zwei bis drei Wochen: Abläufe, Systeme, Übergaben und Zuständigkeiten werden entlang echter Vorgänge aufgenommen — nicht anhand der Dokumentation.
Gespräche mit den Menschen, die den Prozess täglich ausführen, zeigen die Umgehungslösungen, die in keinem Handbuch stehen.
Ergebnis ist ein Ist-Bild mit Zahlen: Durchlaufzeit, Liegezeit, Fehler- und Rückfragequote.
Schritt 2 der Prozessberatung: Analyse der Engpässe und Priorisierung

2. Analyse und Priorisierung

Wo entsteht Aufwand, wo entsteht Wartezeit, und welcher Anteil davon geht auf Ausnahmefälle zurück, die als Regelfall behandelt werden?
Priorisierung nach Wirkung und Aufwand — offen dokumentiert, inklusive der Themen, die bewusst zurückgestellt werden.
Am Ende steht eine Entscheidungsvorlage, keine Ideensammlung.
Schritt 3 der Prozessberatung: Entwurf des Sollprozesses mit klaren Zuständigkeiten

3. Sollprozess und Zuständigkeiten

Der neue Ablauf wird mit den Ausführenden entworfen, nicht für sie — sonst wird er später umgangen.
Rollen, Freigaben und Prozessverantwortung werden benannt, bevor über Werkzeuge gesprochen wird.
Modellierung in der Notation, mit der die Organisation danach arbeiten kann — nicht in der vollständigsten.
Schritt 4 der Prozessberatung: Umsetzung und Befähigung der Teams

4. Umsetzung und Befähigung

Umstellung in Wellen statt zum Stichtag, damit Fehler in einem Bereich korrigiert werden, bevor sie sich vervielfachen.
Schulung an echten Vorgängen, nicht an Beispielprozessen aus der Präsentation.
Dokumentation entsteht während der Umsetzung — nicht danach, wenn niemand mehr Zeit hat.
Schritt 5 der Prozessberatung: Messung der Prozesskennzahlen nach der Einführung

5. Messen und nachsteuern

Dieselben Kennzahlen wie in der Aufnahme, damit Vorher und Nachher vergleichbar sind.
Abweichungen werden als Signal gelesen: Ein Prozess, der umgangen wird, ist meist nicht verstanden oder nicht praktikabel.
Nachsteuern innerhalb der ersten Wochen ist eingeplant, nicht die Ausnahme.
Schritt 6 der Prozessberatung: Verankerung des neuen Prozesses im Regelbetrieb

6. Verankerung im Betrieb

Übergabe an die benannten Prozessverantwortlichen mit einem funktionierenden Änderungsweg.
Ein fester Turnus für Review und Pflege — ohne ihn veraltet jede Dokumentation innerhalb eines Jahres.
Auf Wunsch begleiten wir die ersten Review-Runden, danach läuft der Prozess ohne uns.

Vom Tagessatz zum Budget: was Prozessberatung kostet

Ein Prozessvorhaben lässt sich in drei Stufen budgetieren, und jede Stufe hat eine eigene Größenordnung. Die Aufnahme — Betrachtungsbereich abgrenzen, den Ist-Ablauf entlang echter Vorgänge erheben, Zeiten und Systembrüche belegen — ist die kleinste Stufe und die einzige, die sich vorab genau planen lässt. Der Zielprozess — Modellierung, Zuständigkeiten, Kennzahlen, Freigabelogik — hängt daran, wie viele Bereiche der Ablauf quert: Bei einem Prozess über drei Abteilungen wiegt die Abstimmung schwerer als das Modellieren. Die Umsetzung ist die offenste Stufe, weil sie sich nicht nach dem Prozess richtet, sondern nach den Systemen, Rollen und Gewohnheiten, die mit ihm geändert werden. Wer alle drei Stufen vorab in einer Summe kalkuliert, kalkuliert die dritte falsch. Tragfähiger ist es, nach der Aufnahme neu zu entscheiden — dann liegt eine erhobene Grundlage vor und keine Schätzung.

Abgerechnet wird nach Tagessatz. Die folgenden Spannen stehen so auf unseren eigenen Rollenseiten (Stand August 2026) und sind Orientierung, kein Angebot. Profile für Aufnahme und Prozessdokumentation liegen am unteren Rand:

Innerhalb dieser Spannen bewegen vier Größen den Satz: ob jemand einen Ablauf beschreibt oder ihn gegen Widerstand durchsetzt; wie stark das Vorhaben an ein System gebunden ist, denn ERP-, ITSM- oder Branchensoftwarekenntnis verengt den Kreis der in Frage kommenden Fachleute; ob Nachweise gegenüber Dritten entstehen, etwa in Audit, Zertifizierung oder Regulatorik; und ob vor Ort gearbeitet wird oder verteilt. Alle Angaben verstehen sich netto zuzüglich Umsatzsteuer und, bei Präsenz, Reisekosten.

Einmalige Analyse oder begleitete Umsetzung — hier liegt die größere Kostenfrage. Eine Analyse endet mit einem Befund und einer Empfehlung. Sie ist planbar, im unteren zweistelligen Tagebereich zu haben und erzeugt für sich genommen keine Veränderung. Eine begleitete Umsetzung bindet über Monate anteilige Kapazität, häufig zwei bis drei Tage pro Woche, und kostet ein Mehrfaches — sie verschiebt dafür das Risiko: Bezahlt wird, dass der neue Ablauf im Betrieb ankommt, nicht dass er beschrieben ist. Wer nur die Analyse beauftragt, sollte vorher geklärt haben, wer die Umsetzung intern übernimmt.

Welche Besetzung ein Prozessvorhaben braucht, hängt am Reifegrad der Dokumentation. Eine Übersicht der Rollen, die wir in Prozessvorhaben besetzen, finden Sie im Bereich Operations & Produktion; prozessnahe IT-Rollen stehen unter IT Service Management, Rollen für organisatorische Veränderung unter Transformation & Change Management. Suchen Sie für eine klar umrissene Aufgabe einen Prozessberater oder Business Process Consultant, ist der Einstieg über die Rollenseiten meist schneller als über diese Seite. Geht es um die Steuerung mehrerer Vorhaben parallel, ist die Projektmanagement-Beratung der passende Rahmen.

Kostendruck

Wer Abläufe nicht aktiv pflegt, wird langsamer, ohne etwas falsch zu machen

64 Mrd. €

Bürokratiekosten entstehen der deutschen Wirtschaft pro Jahr — ein erheblicher Teil davon in administrativen Abläufen, die im eigenen Haus gestaltbar sind.
Nationaler Normenkontrollrat, Jahresbericht 2025

146 Mrd. €

an Wirtschaftsleistung gehen Deutschland jährlich durch bürokratischen Aufwand verloren.
ifo Institut im Auftrag der IHK für München und Oberbayern

+16,8 Mrd. €

zusätzlicher Erfüllungsaufwand sind seit 2011 aufgelaufen — wer Abläufe nicht aktiv pflegt, wird langsamer, ohne etwas falsch zu machen.
Nationaler Normenkontrollrat, Jahresbericht 2025
Kurz erklärt

Häufig gestellte Fragen zur Prozessberatung

Prozessberatung ist die Beratung an den Geschäftsprozessen eines Unternehmens: Abläufe werden aufgenommen, analysiert, modelliert, dokumentiert und so verändert, dass sich die Wirkung messen lässt. Typische Gegenstände sind Auftragsdurchlauf, Freigabe- und Antragsprozesse, Übergaben zwischen Abteilungen sowie Rollen und Verantwortlichkeiten. Der Begriff hat eine zweite Bedeutung aus der Organisationsentwicklung, in der er für eine befähigende Beratungshaltung im Gegensatz zur Expertenberatung steht — beide Lesarten schließen sich nicht aus.
Ein Geschäftsprozess ist eine wiederkehrende Folge von Tätigkeiten, die aus einem Auslöser ein Ergebnis erzeugt — zum Beispiel aus einer Bestellung eine ausgelieferte Ware oder aus einem Antrag einen Bescheid. Unterschieden werden Kernprozesse, die unmittelbar Wert für Kundinnen und Kunden schaffen, Führungsprozesse, die steuern, und Unterstützungsprozesse wie Einkauf, IT oder Personal. Entscheidend ist die Sicht über Abteilungsgrenzen hinweg: Ein Geschäftsprozess endet nicht dort, wo die Zuständigkeit endet.
Prozessmanagement, oft auch Geschäftsprozessmanagement oder BPM genannt, ist die dauerhafte Aufgabe, Prozesse zu planen, zu steuern, zu messen und zu verbessern. Es ist eine Funktion im Unternehmen. Prozessberatung ist die zeitlich begrenzte Unterstützung von außen — sie baut Prozessmanagement auf, bringt es nach einer Reorganisation wieder in Gang oder übernimmt ein einzelnes Vorhaben. Ein gutes Beratungsergebnis macht die externe Begleitung überflüssig, statt sie zu verstetigen.
Gebräuchlich sind Prozessaufnahme über Interviews und Beobachtung, Wertstrom- und Durchlaufzeitanalysen, Modellierung in BPMN oder vereinfachten Notationen, Prozesslandkarten, RACI-Matrizen für Zuständigkeiten, Ursachenanalysen sowie kennzahlbasierte Verfahren aus Lean und Six Sigma. In administrativen Prozessen kommt zunehmend Process Mining hinzu, wenn Systemdaten die tatsächlichen Pfade belegen können. Die Methode folgt der Frage — nicht umgekehrt: Ein Ablauf mit zwanzig Fällen im Jahr rechtfertigt keinen Modellierungsstandard.
Eine Prozesslandkarte stellt auf einer Seite dar, welche Prozesse es in einem Unternehmen gibt und wie sie zusammenhängen — üblicherweise gegliedert in Führungs-, Kern- und Unterstützungsprozesse. Sie ist bewusst grob: Ihr Zweck ist Orientierung und Priorisierung, nicht Detailtreue. In der Praxis ist sie der erste Gegenstand, den wir erstellen, weil ohne sie die Diskussion über Verbesserungen sofort in Einzelfälle abrutscht.
Zuerst wird der Betrachtungsbereich abgegrenzt — welcher Prozess, von welchem Auslöser bis zu welchem Ergebnis. Dann wird der Ist-Zustand entlang echter Vorgänge aufgenommen, mit Zeiten, Systembrüchen und Ausnahmefällen. Aus den Daten entstehen Kennzahlen wie Durchlaufzeit, Liegezeit, Rückfrage- und Fehlerquote, die die Engpässe sichtbar machen. Erst danach wird bewertet und priorisiert. Eine belastbare Geschäftsprozessanalyse dauert je Prozess erfahrungsgemäß zwei bis vier Wochen.
Geeignet sind Abläufe mit hoher Fallzahl, klaren Regeln und strukturierten Daten — Rechnungseingang, Bestell- und Freigabeprozesse, Stammdatenpflege, Onboarding, Antrags- und Statusauskunft. Weniger geeignet sind Prozesse mit vielen Ausnahmen, unklaren Regeln oder geringer Fallzahl: Dort übersteigt der Pflegeaufwand den Nutzen. Vor jeder Automatisierung steht die Vereinfachung — ein automatisierter Umweg bleibt ein Umweg, und er ist danach schwerer zu ändern als vorher.
Die Unterscheidung geht auf Edgar Schein zurück. Expertenberatung bringt eine fachliche Lösung mit: Der Auftraggeber beschreibt das Problem, die Beratung liefert die Antwort. Prozessberatung im ursprünglichen Sinn arbeitet an der Art, wie die Organisation zu ihren eigenen Lösungen kommt, und übergibt die Verantwortung dabei nicht. In Prozessvorhaben braucht es beides: Fachwissen über Abläufe und Werkzeuge — und eine Vorgehensweise, die die Betroffenen zu Beteiligten macht, weil ein Ablauf gegen den Willen der Ausführenden nicht hält.

Ein Tagessatz ist kein hochgerechneter Stundenlohn, sondern der Preis für einen Einsatztag samt Vor- und Nachbereitung. Drei Größen bestimmen ihn: die Seltenheit des gesuchten Profils, der Verantwortungsschnitt der Rolle und die Dauer des Einsatzes — längere Mandate liegen pro Tag in der Regel unter kurzen Einsätzen, bei denen der Anlaufaufwand auf wenige Tage fällt. In unserem Bestand für Prozessvorhaben reichen die ausgewiesenen Spannen von 650 € bis 1.600 € pro Tag. Die Spanne der einzelnen Rolle steht auf ihrer Rollenseite; der Satz für einen konkreten Einsatz wird vor Beginn vereinbart und ändert sich während der Laufzeit nicht.

Vergleichbar ist der Tagessatz, nicht das Modell dahinter. Eine Unternehmensberatung kalkuliert ein Team und verteilt Erfahrung darin: wenige Senior-Tage, viele Junior-Tage, daraus ein Mittelwert. Über ein Expertennetzwerk buchen Sie die Erfahrung unmittelbar — der Satz pro Kopf liegt höher, die Zahl der Tage niedriger, und die Einarbeitung eines ganzen Teams in Ihre Branche entfällt. Für einen klar abgegrenzten Prozess fällt der Vergleich deshalb meist zugunsten des Netzwerks aus. Für ein mehrjähriges Programm über viele Standorte und Länder spricht dagegen die Steuerungsleistung eines Hauses, die wir bewusst nicht anbieten.

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